Muss Man Mahngebuehren Bei Zahlungsverzug Bezahlen

Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

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Zahlungsverzug gehört zum Geschäftsalltag – doch die daraus resultierenden Mahngebühren sorgen bei Gläubigern und Schuldnern gleichermaßen für Unsicherheit. Was darf berechnet werden? Wann gerät ein Kunde überhaupt in Verzug? Und wie setzt man Mahngebühren professionell durch, ohne Geschäftsbeziehungen zu gefährden?

Dieser Leitfaden erklärt die rechtlichen Grundlagen, zeigt dir die typischen Kosten pro Mahnstufe und gibt dir einen klaren Prozess an die Hand, mit dem du Zahlungsverzug systematisch managst.

Wann liegt Zahlungsverzug vor?

Ein Schuldner gerät in Zahlungsverzug, wenn er eine fällige Zahlung nicht fristgerecht leistet. Die genauen Bedingungen regelt § 286 BGB:

SituationVerzugseintrittGesetzliche Grundlage
Rechnung mit ZahlungsfristAm Tag nach Fristablauf§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB
Rechnung ohne Zahlungsfrist30 Tage nach Zugang und Fälligkeit§ 286 Abs. 3 BGB
B2B-GeschäftAutomatisch 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang§ 286 Abs. 3 BGB
Verbraucher (B2C)Nur wenn in der Rechnung auf die 30-Tage-Regel hingewiesen wurde§ 286 Abs. 3 Satz 1 BGB
Nach MahnungSofort nach Zugang der Mahnung§ 286 Abs. 1 BGB

Wichtig: Bei B2B-Geschäften tritt der Verzug automatisch nach 30 Tagen ein – eine Mahnung ist rechtlich nicht erforderlich, aber empfehlenswert. Bei Verbrauchern muss der Hinweis auf den automatischen Verzugseintritt in der Rechnung stehen.

Was darf man als Mahngebühren berechnen?

Das Gesetz unterscheidet zwischen Verzugszinsen (gesetzlich geregelt) und Mahngebühren (Aufwandsentschädigung):

Verzugszinsen (§ 288 BGB)

GeschäftsartVerzugszinssatzBasis
B2C (Verbraucher)5 % über BasiszinssatzAktuell ca. 8,12 % p.a.
B2B (Unternehmen)9 % über BasiszinssatzAktuell ca. 12,12 % p.a.
B2B-PauschaleMindestens 40 €§ 288 Abs. 5 BGB

Der Basiszinssatz wird halbjährlich von der Bundesbank festgelegt (aktuell 3,12 %, Stand 2025).

Mahngebühren (Aufwandsentschädigung)

Mahngebühren sind nicht gesetzlich festgelegt, sondern müssen den tatsächlichen Aufwand widerspiegeln:

KostenfaktorAngemessener Betrag
Porto0,85–1,60 €
Briefpapier & Druck0,50–1,00 €
Bearbeitungszeit2,00–5,00 €
Gesamt pro Mahnungca. 2,50–5,00 €

Achtung: Mahngebühren von 10 € oder mehr pro Mahnung gelten laut Rechtsprechung als überhöht und sind anfechtbar (BGH, Az. VIII ZR 71/20). Die Kosten müssen dem realen Aufwand entsprechen.

Die drei Mahnstufen im Überblick

1. Mahnung2. Mahnung3. Mahnung
Zeitpunkt7–14 Tage nach Fälligkeit14–21 Tage nach 1. Mahnung7–14 Tage nach 2. Mahnung
TonFreundliche ErinnerungDeutliche AufforderungLetzte Frist mit Konsequenzen
Mahngebühr0–2,50 € (oft kostenfrei)2,50–5,00 €5,00–7,50 €
VerzugszinsenAb VerzugseintrittLaufen weiterLaufen weiter
Nächster SchrittFrist setzenInkasso-AnkündigungInkasso / gerichtliches Mahnverfahren

1. Mahnung – Zahlungserinnerung

Die erste Mahnung ist in der Regel eine höfliche Erinnerung. Viele Unternehmen berechnen hier noch keine Mahngebühren, um die Geschäftsbeziehung nicht zu belasten. Inhalt:

  • Rechnungsnummer und -datum
  • Offener Betrag
  • Neue Zahlungsfrist (7–14 Tage)
  • Bankverbindung

2. Mahnung – Deutliche Aufforderung

Hier wird der Ton bestimmter. Ab der zweiten Mahnung sind Mahngebühren von 2,50–5,00 € üblich und rechtlich vertretbar. Zusätzlich solltest du auf die laufenden Verzugszinsen hinweisen.

3. Mahnung – Letzte Frist

Die dritte und letzte Mahnung enthält eine konkrete Frist (meist 7–10 Tage) und die Ankündigung rechtlicher Schritte:

  • Übergabe an ein Inkassounternehmen
  • Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens
  • Meldung an Auskunfteien (SCHUFA, Creditreform)

Mahngebühren im DACH-Vergleich

DeutschlandÖsterreichSchweiz
Verzugszins B2B9 % über Basiszinssatz9,2 % über Basiszinssatz5 % (OR Art. 104)
Verzugszins B2C5 % über Basiszinssatz4 % (§ 1000 ABGB)5 % (OR Art. 104)
Pauschale B2BMind. 40 €Mind. 40 €Keine gesetzliche Pauschale
MahngebührTatsächlicher AufwandTatsächlicher AufwandTatsächlicher Aufwand
Mahnungen vor BetreibungNicht zwingend (B2B)Mind. 1 Mahnung empfohlenZahlungsbefehl via Betreibungsamt
RechtsgrundlageBGB §§ 286–288UGB / ABGBOR Art. 102–106

Was passiert nach der letzten Mahnung?

Wenn alle Mahnungen erfolglos bleiben, stehen dir folgende Optionen offen:

OptionKostenDauerGeeignet für
Inkassounternehmen10–25 % der Forderung2–8 WochenHohe Forderungen, B2B
Gerichtliches MahnverfahrenAb 36 € (abhängig vom Streitwert)2–6 WochenKlare, unbestrittene Forderungen
MahnbescheidGerichtsgebühren + ggf. Anwaltskosten4–12 WochenWenn Schuldner nicht widerspricht
KlageAnwalts- + GerichtskostenMonateBestrittene Forderungen
Forderungsverkauf (Factoring)1–5 % AbschlagSofortWenn schnelle Liquidität wichtiger ist

Gerichtliches Mahnverfahren: So funktioniert es

  1. Antrag stellen — Online über mahngerichte.de oder beim zuständigen Amtsgericht
  2. Mahnbescheid wird zugestellt — Schuldner hat 14 Tage Widerspruchsfrist
  3. Kein Widerspruch → Vollstreckungsbescheid beantragen
  4. Widerspruch → Verfahren geht in reguläre Klage über

Kosten: Bei einer Forderung von 5.000 € betragen die Gerichtskosten ca. 73 €. Diese trägt am Ende der Schuldner.

Mahngebühren in AGB regeln

Du kannst Mahngebühren in deinen AGB festlegen, sofern sie angemessen sind:

Empfohlene AGB-Formulierung:

„Bei Zahlungsverzug berechnen wir eine Mahnpauschale von 5,00 € pro Mahnung zur Deckung unserer Bearbeitungskosten. Darüber hinaus behalten wir uns die Geltung der gesetzlichen Verzugszinsen gemäß § 288 BGB vor."

AGB-KlauselZulässig?Hinweis
Mahnpauschale 2,50–5,00 €JaEntspricht dem realen Aufwand
Mahnpauschale 15,00 €NeinÜberhöht, unwirksam
Vertragsstrafe bei VerzugEingeschränktNur bei individueller Vereinbarung
Verzugszinsen über gesetzlichem SatzNein§ 288 BGB ist zwingend

Mahnungen richtig formulieren

Pflichtangaben in jeder Mahnung

  • Rechnungsnummer und Rechnungsdatum
  • Offener Gesamtbetrag (ggf. inkl. Mahngebühren und Verzugszinsen)
  • Ursprüngliches Zahlungsziel
  • Neue Zahlungsfrist
  • Bankverbindung
  • Hinweis auf Verzugsfolgen (ab 2. Mahnung)

Ton und Stil nach Mahnstufe

MahnstufeTonalitätBeispielformulierung
1. ErinnerungFreundlich, neutral„Sicher ist es Ihnen entgangen – wir möchten Sie freundlich an die offene Rechnung erinnern."
2. MahnungBestimmt, sachlich„Trotz unserer Erinnerung ist die Zahlung bisher nicht eingegangen. Wir bitten Sie dringend, den Betrag bis zum [Datum] zu überweisen."
3. MahnungErnst, mit Konsequenz„Sollte der Betrag nicht bis zum [Datum] eingehen, sehen wir uns gezwungen, die Forderung an ein Inkassounternehmen zu übergeben."

Häufige Fehler beim Mahnwesen

FehlerKonsequenzLösung
Zu lange wartenForderung wird schwerer einzutreibenAutomatische Zahlungserinnerung nach 7 Tagen
Mahngebühren zu hoch ansetzenAGB-Klausel unwirksamMax. 5 € pro Mahnung
Keine DokumentationBeweisproblem vor GerichtJede Mahnung per Einschreiben oder E-Mail mit Lesebestätigung
Verzugszinsen vergessenEntgangene EinnahmenAutomatisch berechnen und ausweisen
Kein MahnprozessOffene Posten häufen sichKlaren 3-Stufen-Prozess definieren
B2C ohne Hinweis auf 30-Tage-RegelKein automatischer VerzugHinweis auf jeder Rechnung

Mahngebühren vermeiden: Tipps für Schuldner

Falls du selbst eine Mahnung erhalten hast:

  1. Sofort reagieren — Ignorieren verschlimmert die Situation
  2. Rechnung prüfen — Ist die Forderung berechtigt? Stimmen Betrag und Leistung?
  3. Ratenzahlung anbieten — Die meisten Gläubiger akzeptieren einen Zahlungsplan
  4. Schriftlich kommunizieren — Immer per E-Mail oder Brief, nie nur mündlich
  5. Fristen einhalten — Widerspruchsfristen bei Mahnbescheiden beachten (14 Tage!)

Zahlungsverzug systematisch managen

Das beste Mahnwesen ist eines, das selten zum Einsatz kommt. Mit einer professionellen Liquiditätsplanung erkennst du offene Forderungen frühzeitig und kannst proaktiv handeln.

Mit einer Cashflow-Software wie finban kannst du:

  • Offene Forderungen in Echtzeit im Blick behalten
  • Zahlungseingänge automatisch mit geplanten Einnahmen abgleichen
  • Liquiditätsengpässe durch ausstehende Zahlungen frühzeitig erkennen
  • Szenarien durchspielen: Was passiert, wenn 20 % der Kunden 30 Tage zu spät zahlen?

Offene Forderungen im Griff behalten

Zahlungsverzug kostet Geld und Nerven. Mit finban verbindest du deine Bankkonten, siehst sofort welche Zahlungen ausstehen, und planst voraus – damit dein Cashflow nicht unter verspäteten Zahlungen leidet.

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