Zum Inhalt springen
Cashflow

Operativer Cashflow: Definition, Aussage und Abgrenzung

Der operative Cashflow ist das Geld aus dem laufenden Geschäft — ohne Investitionen, ohne Finanzierung. Was er aussagt, wie er sich von EBITDA und Gewinn unterscheidet und was hinter einem negativen Wert steckt.

·8 min Lesezeit
Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

Zuletzt aktualisiert

Inhalt

Auf einen Blick: Der operative Cashflow ist das Geld, das ein Unternehmen aus seinem laufenden Geschäft erwirtschaftet — ohne Investitionen, ohne Finanzierung. Er ist die einzige der drei Cashflow-Arten, bei der ein negativer Wert für sich genommen ein Warnsignal ist. Diese Seite erklärt, was er aussagt, wie er sich von EBITDA und Gewinn unterscheidet und was hinter einem negativen Wert stecken kann.

Was der operative Cashflow ist

Der operative Cashflow ist die Differenz aus Einzahlungen und Auszahlungen des laufenden Geschäfts — also das Geld, das der Betrieb aus eigener Kraft erwirtschaftet, bevor investiert oder finanziert wird.

Im Jahresabschluss heißt er Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit; das ist der Begriff, den der Rechnungslegungsstandard DRS 21 für die Kapitalflussrechnung verwendet. Im Englischen ist es der Operating Cash Flow, abgekürzt OCF. Gemeint ist in allen drei Fällen dasselbe.

Er ist der erste der drei Abschnitte einer Kapitalflussrechnung. Die anderen beiden — Investitions- und Finanzierungstätigkeit — beschreiben, was mit dem Geld danach passiert ist. Nur dieser erste sagt etwas darüber, ob sich das Geschäft selbst trägt.

Wie er ermittelt wird

Es gibt zwei Wege, und sie führen zum selben Ergebnis:

Direkte ErmittlungIndirekte Ermittlung
Ausgangspunktdie Zahlungen selbstJahresüberschuss aus der GuV
Rechenwegbetriebliche Einzahlungen − betriebliche AuszahlungenJahresüberschuss ± zahlungsunwirksame Posten ± Veränderung des Working Capital
Brauchtkategorisierte KontoumsätzeGuV plus zwei Bilanzstichtage
Vorteilmonatlich verfügbar, ohne AbschlussDaten liegen im Jahresabschluss ohnehin vor
Nachteilsetzt saubere Kategorisierung vorauserst nach dem Abschluss möglich

Das vollständige Rechenschema Zeile für Zeile, mit einem Beispiel, das beide Wege durchrechnet, steht unter Cashflow berechnen.

Eine Verwechslung, die auf auffallend vielen Seiten zu diesem Thema steht: Einzahlungen aus Umsätzen und eingegangene Forderungen sind zahlungswirksam. Sie gehören in die direkte Ermittlung als Zufluss, nicht in die indirekte als „zahlungsunwirksamer Ertrag". Und in der indirekten Ermittlung werden Rückstellungen hinzugerechnet, nicht Rücklagen: Rücklagen sind Eigenkapital, ihre Bildung ist kein Aufwand.

Zahlungsunwirksame Aufwendungen (+)Zahlungsunwirksame Erträge ()
AbschreibungenZuschreibungen
Zuführung zu langfristigen RückstellungenAuflösung von Rückstellungen
Bestandsminderung fertiger und unfertiger ErzeugnisseBestandserhöhung fertiger und unfertiger Erzeugnisse

Operativer Cashflow, EBITDA und Gewinn

Diese drei werden ständig gleichgesetzt, und die Unterschiede sind genau das, was den operativen Cashflow nützlich macht:

Was es misstEnthält Working Capital?Definiert in
JahresüberschussErtrag minus AufwandneinHGB
EBITDAErgebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungenneinin keinem Standard
Operativer CashflowEinzahlungen minus Auszahlungen des GeschäftsjaDRS 21

Die entscheidende Spalte ist die dritte. EBITDA rechnet die Abschreibungen aus dem Gewinn heraus und kommt damit rechnerisch in die Nähe eines Cashflows — aber es ignoriert, ob Kunden bezahlt haben und ob das Lager gewachsen ist. Genau dort entsteht der Unterschied zwischen einer guten Zahl und Geld auf dem Konto.

Ein Betrieb, dessen Umsatz um 40 % wächst, kann ein steigendes EBITDA und einen fallenden operativen Cashflow haben. Beides ist richtig, und nur eines davon zahlt Löhne.

Dazu kommt: EBITDA ist in keinem Rechnungslegungsstandard definiert. Jeder darf es rechnen, wie er möchte — der operative Cashflow folgt einem festgelegten Schema.

Operativer, freier und Gesamt-Cashflow

GrößeFormelBeantwortet
Operativer Cashflowbetriebliche Einzahlungen − AuszahlungenTrägt sich das Geschäft selbst?
Freier Cashflowoperativer Cashflow − Investitionen ins AnlagevermögenWas bleibt für Tilgung, Ausschüttung, Rücklagen?
Gesamt-Cashflowoperativer + Investitions- + Finanzierungs-CashflowWie hat sich der Kontostand insgesamt verändert?

Der freie Cashflow ist die Zahl, auf die Kapitalgeber schauen. Der operative ist die, auf die man selbst schauen sollte: Er lässt sich nicht durch aufgeschobene Investitionen schönen.

Was ein negativer operativer Cashflow bedeutet

Ein negativer operativer Cashflow heißt: Das laufende Geschäft hat in diesem Zeitraum mehr Geld verbraucht, als es eingebracht hat. Anders als bei den beiden anderen Cashflow-Arten ist das nie eine neutrale Information.

Es gibt drei Ursachen, und sie unterscheiden sich in der Dringlichkeit:

  1. Verlust. Der Betrieb verdient schlicht zu wenig. Zu erkennen daran, dass auch der Jahresüberschuss negativ ist. Das ist der ernsteste Fall.
  2. Wachstum. Umsatz und damit Forderungen und Vorräte steigen schneller, als Geld hereinkommt. Zu erkennen an einem positiven Gewinn bei negativem Cashflow und stark gestiegenem Working Capital. Kein Alarm, aber ein Finanzierungsbedarf, der geplant sein will.
  3. Zahlungsverhalten. Kunden zahlen später als vereinbart, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hat. Zu erkennen an einem gestiegenen Forderungsbestand bei gleichbleibendem Umsatz — die OPOS-Liste zeigt es sofort. Das ist der Fall, der sich am schnellsten beheben lässt.

Die drei auseinanderzuhalten ist die eigentliche Arbeit. Ein einzelner negativer Wert sagt noch nichts; die Kombination aus Gewinn, Working Capital und Forderungsbestand sagt alles.

Innenfinanzierungskraft: was eine Bank daraus liest

Der operative Cashflow ist die Kennzahl für die Innenfinanzierungskraft — die Fähigkeit, Investitionen und Tilgung aus eigener Kraft zu bezahlen, ohne neues Kapital.

Im Kreditgespräch wird er meist ins Verhältnis gesetzt:

  • Dynamischer Verschuldungsgrad = Nettoverschuldung ÷ operativer Cashflow. Das Ergebnis ist eine Zahl in Jahren: So lange bräuchte der Betrieb rechnerisch, um seine Schulden aus dem laufenden Geschäft zurückzuzahlen.
  • Cashflow-Marge = operativer Cashflow ÷ Umsatz. Wie viel von jedem Euro Umsatz wird tatsächlich zu Geld.

Beide sind ohne Branchenkontext wenig wert, im eigenen Verlauf über mehrere Jahre dagegen sehr aussagekräftig. Mehr zu diesen Kennzahlen steht im Überblick unter Cashflow.

Ein Beispiel

Die Zahlen sind ein erfundenes Rechenbeispiel und stimmen mit dem unter Cashflow berechnen überein.

Ein Betrieb weist 120.000 € Jahresüberschuss aus. Hinzu kommen 45.000 € Abschreibungen und 10.000 € Zuführung zu langfristigen Rückstellungen; abzuziehen sind 30.000 € gestiegene Forderungen und 15.000 € gestiegene Vorräte, hinzuzurechnen 20.000 € gestiegene Lieferantenverbindlichkeiten.

  • Operativer Cashflow = 120.000 + 45.000 + 10.000 − 30.000 − 15.000 + 20.000 = 150.000 €

Bei 980.000 € Umsatz ergibt das eine Cashflow-Marge von rund 15 %. Und die Aussage dahinter: Der Betrieb erwirtschaftet aus eigener Kraft 150.000 € im Jahr — daraus lassen sich Investitionen von 70.000 € und Tilgung von 40.000 € bezahlen, ohne dass neues Geld hereinkommen muss.

Wie man ihn im Zeitverlauf liest

Ein einzelner Wert ist fast wertlos. Aussagekräftig ist die Reihe:

  • Steigt der operative Cashflow, während der Umsatz gleich bleibt? Dann wird das Geschäft effizienter oder Kunden zahlen schneller.
  • Fällt er, während der Gewinn steigt? Dann bindet Wachstum Kapital — oder das Zahlungsverhalten hat sich verschlechtert.
  • Schwankt er stark von Monat zu Monat? Normal. Umsatzsteuer-Vorauszahlungen, Versicherungsbeiträge und Sonderzahlungen fallen unregelmäßig an. Deshalb über zwölf Monate betrachten, nicht über einen.

Was der operative Cashflow auch im Verlauf nicht kann: nach vorne schauen. Er ist eine Rückschau auf abgeschlossene Zeiträume. Ob das Geld im nächsten Quartal reicht, beantwortet nur eine Liquiditätsplanung, die Ein- und Auszahlungen mit Datum fortschreibt — der operative Cashflow der letzten acht Quartale ist allerdings die beste Grundlage für deren Annahmen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der operative Cashflow?

Der operative Cashflow ist das Geld, das ein Unternehmen aus seinem laufenden Geschäft erwirtschaftet — Einzahlungen minus Auszahlungen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, ohne Investitionen und ohne Finanzierung. Im Jahresabschluss heißt er Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, im Englischen Operating Cash Flow oder OCF.

Wie berechnet man den operativen Cashflow?

Indirekt: Jahresüberschuss plus zahlungsunwirksame Aufwendungen minus zahlungsunwirksame Erträge, korrigiert um die Veränderung von Forderungen, Vorräten und Lieferantenverbindlichkeiten. Direkt: betriebliche Einzahlungen minus betriebliche Auszahlungen. Beide Wege führen zum selben Ergebnis.

Was ist der Unterschied zwischen operativem Cashflow und EBITDA?

EBITDA ist eine Ergebnisgröße und berücksichtigt nicht, ob Kunden bezahlt haben oder wie viel Kapital im Lager steckt. Der operative Cashflow berücksichtigt genau das über die Veränderung des Working Capital. Ein wachsender Betrieb kann steigendes EBITDA und fallenden operativen Cashflow gleichzeitig haben. Außerdem ist EBITDA in keinem Rechnungslegungsstandard definiert, der operative Cashflow schon.

Was bedeutet ein negativer operativer Cashflow?

Dass das laufende Geschäft mehr Geld verbraucht als eingebracht hat. Drei Ursachen kommen infrage: ein Verlust, gebundenes Kapital durch Wachstum, oder verschlechtertes Zahlungsverhalten der Kunden. Welche vorliegt, zeigt der Vergleich mit Jahresüberschuss, Working Capital und Forderungsbestand.

Was ist der Unterschied zwischen operativem und freiem Cashflow?

Der freie Cashflow ist der operative Cashflow abzüglich der Investitionen ins Anlagevermögen. Er sagt, was nach den notwendigen Investitionen für Tilgung, Ausschüttung oder Rücklagen übrig bleibt.

Was sind zahlungsunwirksame Aufwendungen?

Aufwendungen, die den Gewinn mindern, ohne dass Geld abfließt — vor allem Abschreibungen, die Zuführung zu langfristigen Rückstellungen und Bestandsminderungen. In der indirekten Ermittlung werden sie dem Jahresüberschuss wieder hinzugerechnet. Nicht dazu gehören Rücklagen: Sie sind Eigenkapital und ihre Bildung ist kein Aufwand.

Was sagt der operative Cashflow über die Innenfinanzierungskraft?

Er ist ihr Maß. Wer Investitionen und Tilgung aus dem operativen Cashflow bezahlen kann, finanziert sich aus eigener Kraft. Im Kreditgespräch wird das meist als dynamischer Verschuldungsgrad ausgedrückt: Nettoverschuldung geteilt durch operativen Cashflow, das Ergebnis in Jahren.

Heißt Operating Cash Flow dasselbe?

Ja. Operating Cash Flow, abgekürzt OCF, ist die englische Bezeichnung für den operativen Cashflow. Im deutschen Jahresabschluss steht dafür „Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit".