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Cashflow

Cashflow berechnen: Formel, Rechenschema und Beispiel

Cashflow berechnen heißt Einzahlungen minus Auszahlungen — nicht Ertrag minus Aufwand. Das Rechenschema der indirekten Methode, die direkte daneben, und ein Beispiel, das beide Wege durchrechnet.

·10 min Lesezeit
Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

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Auf einen Blick: Cashflow berechnen heißt, Einzahlungen und Auszahlungen eines Zeitraums gegenüberzustellen — nicht Erträge und Aufwendungen. Es gibt zwei Rechenwege zum selben Ergebnis: die indirekte Methode aus Jahresüberschuss und Bilanz, die direkte aus Zahlungen. Diese Seite zeigt beide Schema für Schema an derselben Firma.

Die Grundformel

Der Cashflow eines Zeitraums ist die Differenz aus Einzahlungen und Auszahlungen. Nicht Umsatz minus Kosten, nicht Ertrag minus Aufwand — es zählt nur, was tatsächlich auf dem Konto bewegt wurde.

Genau hier gehen die meisten Rechnungen schief. Eine gestellte Rechnung ist Ertrag, aber noch kein Geld. Eine Abschreibung ist Aufwand, kostet aber nichts. Ein Unternehmen kann Gewinn ausweisen und trotzdem zahlungsunfähig sein — der Unterschied zwischen den beiden Größen ist der Grund, warum man den Cashflow überhaupt getrennt berechnet.

Die praktische Rechnung läuft auf zwei Wegen, die zum selben Ergebnis führen: rückwärts aus dem Jahresabschluss (indirekt) oder vorwärts aus den Zahlungen (direkt).

Die indirekte Methode: das Rechenschema

Die indirekte Methode startet beim Jahresüberschuss und rechnet alles heraus, was Buchung war, aber keine Zahlung — und alles hinein, was Zahlung war, aber keine Buchung im Ergebnis.

SchrittPositionWarum
JahresüberschussAusgangspunkt aus der GuV
+AbschreibungenAufwand ohne Auszahlung
ZuschreibungenErtrag ohne Einzahlung
+Zunahme langfristiger RückstellungenAufwand gebucht, Geld noch da
Abnahme langfristiger RückstellungenGeld fließt ab, Aufwand war früher
=Brutto-CashflowZwischenergebnis, oft schon so genannt
Zunahme der ForderungenUmsatz gebucht, Geld noch beim Kunden
+Abnahme der ForderungenAltes Geld kommt herein
Zunahme der VorräteGeld ist im Lager gebunden
+Abnahme der VorräteLager wird zu Geld
+Zunahme der Verbindlichkeiten aus L&LLieferanten finanzieren mit
Abnahme der Verbindlichkeiten aus L&LLieferanten wurden bezahlt
=Operativer CashflowGeld aus dem laufenden Geschäft

Die untere Hälfte ist die Veränderung des Working Capital. Wer sie überspringt, rechnet den Brutto-Cashflow aus und nennt ihn fälschlich operativen Cashflow — der häufigste Fehler in dieser Rechnung.

Vorzeichenregel zum Merken: Was Kapital bindet, geht ab. Was Kapital freisetzt, kommt dazu.

Die direkte Methode

Die direkte Methode addiert die Einzahlungen und zieht die Auszahlungen ab — ohne Umweg über die GuV:

Operativer Cashflow = Einzahlungen aus Umsatz + sonstige betriebliche Einzahlungen − Auszahlungen an Lieferanten − Personalauszahlungen − sonstige betriebliche Auszahlungen

Sie ist aufwendiger, wenn man sie von Hand aus Kontoauszügen zusammensucht, und praktisch aufwandsfrei, wenn die Bankkonten ohnehin automatisch mitlaufen. Deshalb entscheidet hier die Datenlage, nicht die Methodenwahl.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern im Zeitpunkt: Die indirekte Methode funktioniert erst, wenn der Jahresabschluss fertig ist. Für die Frage, ob das Geld im November reicht, ist sie zu spät. Die Gegenüberstellung beider Methoden steht im Überblick unter Cashflow.

Woher die Zahlen kommen

Die häufigste Hürde ist nicht die Formel, sondern die Frage, in welchem Bericht welche Zeile steht:

PositionQuelleWie man sie bekommt
JahresüberschussGuVletzte Zeile
AbschreibungenGuV oder Anlagenspiegeleigene Aufwandsposition
Veränderung der RückstellungenBilanzVergleich zweier Stichtage
Veränderung der ForderungenBilanz, Posten B IIVergleich zweier Stichtage; die Detailsicht ist die OPOS-Liste
Veränderung der VorräteBilanz, Posten B IVergleich zweier Stichtage
Veränderung der Verbindlichkeiten aus L&LBilanzVergleich zweier Stichtage
Ein- und Auszahlungen (direkte Methode)BankkontenKontoumsätze, kategorisiert

Die vier Zeilen mit „Vergleich zweier Stichtage" sind der Grund, warum die indirekte Methode zwei Bilanzen braucht und nicht eine. Wer nur den aktuellen Abschluss vorliegen hat, kann den Brutto-Cashflow rechnen — den operativen nicht.

Über welchen Zeitraum rechnet man?

Formal wird der Cashflow für das Geschäftsjahr ermittelt. Für die Steuerung ist das der falsche Takt.

  • Jährlich ist die Pflichtsicht und die Grundlage fürs Bankgespräch. Sie kommt Monate zu spät für jede Entscheidung.
  • Quartalsweise gleicht Saisonalität halbwegs aus und ist der beste Kompromiss, wenn die Zahlen von Hand entstehen.
  • Monatlich ist die Sicht, in der man Veränderungen früh sieht. Einzelne Monate schwanken stark — durch Umsatzsteuer-Vorauszahlungen, Versicherungsbeiträge, Boni. Aussagekräftig ist deshalb nicht der einzelne Monat, sondern die Reihe: acht bis zwölf Monate operativer Cashflow nebeneinander.

Der Aufwand entscheidet in der Praxis über den Takt, und der Aufwand hängt an der Methode. Wer indirekt rechnet, braucht je Periode einen Abschluss. Wer direkt aus kategorisierten Kontoumsätzen rechnet, bekommt den Monatswert ohne Zusatzarbeit — das ist der eigentliche Vorteil der direkten Methode und der Grund, warum sie in Software die übliche ist.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Die Zahlen sind ein erfundenes Rechenbeispiel. Beide Methoden werden an derselben Firma gerechnet, damit sichtbar wird, dass dasselbe herauskommt.

Indirekt:

PositionBetrag
Jahresüberschuss120.000 €
+Abschreibungen45.000 €
+Zunahme langfristiger Rückstellungen10.000 €
=Brutto-Cashflow175.000 €
Zunahme der Forderungen30.000 €
Zunahme der Vorräte15.000 €
+Zunahme der Verbindlichkeiten aus L&L20.000 €
=Operativer Cashflow150.000 €

Direkt, dieselbe Firma, dasselbe Jahr:

PositionBetrag
Einzahlungen aus Umsatz980.000 €
− Auszahlungen an Lieferanten520.000 €
− Personalauszahlungen260.000 €
− sonstige betriebliche Auszahlungen50.000 €
= Operativer Cashflow150.000 €

Beide Wege enden bei 150.000 €. Der Gewinn lag bei 120.000 € — die Differenz von 30.000 € steckt fast vollständig in den Abschreibungen, abzüglich des Kapitals, das in Forderungen und Vorräten neu gebunden wurde.

Weitergerechnet auf das ganze Jahr:

  • Investitions-Cashflow = Verkauf alter Maschine 10.000 € − Kauf neuer Maschine 80.000 € = −70.000 €
  • Freier Cashflow = 150.000 € − 70.000 € = 80.000 €
  • Finanzierungs-Cashflow = Darlehenstilgung −40.000 € − Ausschüttung 30.000 € = −70.000 €
  • Veränderung der Zahlungsmittel = 150.000 − 70.000 − 70.000 = +10.000 €

Der Betrieb hat also im Jahr 10.000 € mehr auf dem Konto als am Anfang — bei 120.000 € Gewinn. Diese Lücke ist keine Ungereimtheit, sondern die eigentliche Aussage der Rechnung.

Die vier Cashflow-Arten

ArtFormelWas sie beantwortetWenn sie negativ ist
Operativer Cashflowsiehe Schema obenTrägt sich das laufende Geschäft selbst?Warnsignal — das Kerngeschäft verbrennt Geld
Investitions-CashflowEinzahlungen aus Verkäufen − Auszahlungen für InvestitionenWas fließt in langfristige Vermögenswerte?normal bei wachsenden Betrieben
Finanzierungs-CashflowKapitalaufnahme − Tilgung − AusschüttungenWie ist die Finanzierung bewegt worden?normal, wenn getilgt oder ausgeschüttet wird
Freier Cashflowoperativer Cashflow − Investitionen ins AnlagevermögenWas bleibt für Tilgung, Ausschüttung, Rücklagen?Investitionen übersteigen die eigene Kraft

Nur beim operativen Cashflow ist ein negativer Wert für sich genommen ein schlechtes Zeichen. Bei den anderen dreien sagt das Vorzeichen ohne Kontext nichts. Was er im Einzelnen aussagt und was hinter einem negativen Wert stecken kann, steht unter operativer Cashflow.

Freien Cashflow berechnen

Für den freien Cashflow kursieren zwei Rechenwege, und sie führen zu unterschiedlichen Zahlen:

  • Aus dem operativen Cashflow: operativer Cashflow − Investitionen ins Anlagevermögen. Das ist der übliche Weg in der Praxis.
  • Aus dem Nettoergebnis: Jahresüberschuss + Abschreibungen − Veränderung Working Capital − Investitionen. Rechnerisch dasselbe, nur ein Schritt früher angesetzt.

Wichtig ist weniger, welchen Weg man nimmt, als dass man denselben behält. Ein Verlauf über acht Quartale sagt mehr als eine einzelne, methodisch besonders saubere Zahl.

Fünf Fehler bei der Cashflow-Berechnung

  1. Gewinn mit Cashflow verwechseln. Der häufigste Fehler überhaupt, und der teuerste: Ein profitabler Betrieb kann zahlungsunfähig werden.
  2. Beim Brutto-Cashflow aufhören. Wer die Veränderung von Forderungen, Vorräten und Lieferantenverbindlichkeiten weglässt, überschätzt das Ergebnis systematisch — und zwar am stärksten in Wachstumsphasen, wo es am meisten wehtut.
  3. Umsatzsteuer mitzählen. Vereinnahmte Umsatzsteuer liegt auf dem Konto und gehört dem Finanzamt. In einer Zahlungsrechnung ist sie ein durchlaufender Posten, kein Zufluss.
  4. Die Methode zwischen Perioden wechseln. Dann ist die Reihe nicht mehr vergleichbar, und genau die Reihe ist das, was Aussagekraft hat.
  5. Einen negativen Investitions-Cashflow als Problem lesen. Er heißt meistens, dass investiert wurde.

Wozu die Zahl taugt — und wozu nicht

Der berechnete Cashflow ist ein Rückblick. Er sagt, was in einem abgeschlossenen Zeitraum passiert ist, und er sagt es umso später, je mehr er auf dem Jahresabschluss beruht.

Für die Frage, die im Alltag eigentlich ansteht — reicht das Geld in den nächsten Monaten —, braucht es keine bessere Berechnung, sondern eine andere Richtung: eine Liquiditätsplanung, die Ein- und Auszahlungen mit Datum nach vorne schreibt. Die Cashflow-Rechnung erklärt, wie es zum heutigen Kontostand kam; die Planung sagt, wie es weitergeht.

Beides gehört zusammen. Wer den operativen Cashflow der letzten acht Quartale kennt, hat die belastbarste Grundlage für die Annahmen, mit denen die Planung nach vorne rechnet.

Für den schnellen Blick nach vorn reicht der Liquiditätsrechner: Kontostand, laufende Ein- und Auszahlungen, heraus kommt die Reichweite in Monaten. Und was man aus dem berechneten Cashflow an Kennzahlen ableitet — Cashflow-Marge, Verschuldungsgrad, Cashflow-Rendite —, steht im Überblick unter Cashflow.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man den Cashflow?

Einzahlungen minus Auszahlungen eines Zeitraums. Praktisch gibt es zwei Wege: indirekt vom Jahresüberschuss aus, korrigiert um Abschreibungen, Rückstellungen und die Veränderung des Working Capital — oder direkt aus den tatsächlichen Zahlungen. Beide führen zum selben Ergebnis.

Was ist die Cashflow-Formel?

Die einfachste Fassung lautet: Cashflow = Einzahlungen − Auszahlungen. Indirekt gerechnet: Jahresüberschuss + Abschreibungen ± Veränderung der Rückstellungen ± Veränderung des Working Capital = operativer Cashflow.

Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Methode?

Nur der Ausgangspunkt. Die direkte Methode rechnet aus Zahlungen, die indirekte aus dem Jahresüberschuss und der Bilanz. Das Ergebnis ist dasselbe. Der praktische Unterschied ist der Zeitpunkt: Die indirekte Methode braucht einen fertigen Abschluss, die direkte nur Kontodaten.

Warum ist der Cashflow höher als der Gewinn?

Meist wegen der Abschreibungen: Sie mindern den Gewinn, kosten aber kein Geld. Umgekehrt kann der Cashflow unter dem Gewinn liegen, wenn Kapital neu in Forderungen oder Vorräten gebunden wurde — im Beispiel oben passiert beides gleichzeitig.

Was ist der Brutto-Cashflow?

Das Zwischenergebnis aus Jahresüberschuss plus Abschreibungen plus Veränderung langfristiger Rückstellungen — also bevor die Veränderung des Working Capital berücksichtigt ist. Ihn für den operativen Cashflow zu halten, ist der häufigste Fehler in dieser Rechnung.

Wie berechnet man den freien Cashflow?

Operativer Cashflow minus Investitionen ins Anlagevermögen. Bei 150.000 € operativem Cashflow und 70.000 € Nettoinvestitionen bleiben 80.000 € freier Cashflow — das ist der Betrag, der für Tilgung, Ausschüttung oder Rücklagen zur Verfügung steht.

Gehört die Umsatzsteuer in die Cashflow-Berechnung?

Sie ist ein durchlaufender Posten. Vereinnahmte Umsatzsteuer liegt zwar auf dem Konto, gehört aber dem Finanzamt und fließt zum nächsten Voranmeldungstermin ab. Wer sie als Zufluss zählt, rechnet den Cashflow systematisch zu hoch.

Sagt ein negativer Cashflow, dass ein Unternehmen in Schwierigkeiten steckt?

Nur beim operativen Cashflow. Ein negativer Investitions-Cashflow heißt meistens, dass investiert wurde; ein negativer Finanzierungs-Cashflow, dass getilgt oder ausgeschüttet wurde. Beides kann ein gutes Zeichen sein.